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Rückblicke

Das Fundament des Friedens ist Freiheit – Buchvorstellung und Diskussion in der Burg Frankenberg

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Am 24. Februar 2026, dem Jahrestag des Beginns des russischen Angriffs auf die Ukraine, fand in Kooperation mit dem Verein „Frankenb(u)erger e.V.“ eine Buchvorstellung mit anschließender Diskussion in der Burg Frankenberg statt.

Zu Beginn erinnerte Hans-Joachim Geupel, Sprecher der Projektgruppe „Platz für Demokratie!“, an die Opfer des Krieges – an die Verstorbenen, die Verletzten und die Millionen Geflüchteten.

„Zu Europa und zum Frieden in Weltbürgerlicher Absicht“

Im Mittelpunkt des Abends stand das Buch „Zu Europa und zum Frieden in weltbürgerlicher Absicht“ von Professor Winfried Böttcher.

In seiner Einführung beschrieb Böttcher drei große Epochenbrüche der Geschichte:
• die Entstehung der philosophischen Schule der Stoa um etwa 500 v. Chr.,
• die Neuordnung Europas nach dem Dreißigjährigen Krieg (1618–1648),
• sowie die Zeit nach dem Ende der Sowjetunion Anfang der 1990er Jahre.

Dabei stellte er zwei gegensätzliche philosophische Positionen gegenüber:
Heraklit, der den Kampf als grundlegendes Prinzip der Welt sieht, und Konfuzius, der ein menschliches Zusammenleben ohne Krieg und Gewalt betont. Die Geschichte, so Böttcher, zeige ein wiederkehrendes Muster: Phasen des Friedens und des Krieges wechseln sich ab.

Voraussetzungen für Frieden

Nach Ansicht des Autors kann dauerhafter Frieden nur entstehen, wenn Menschen sich als Weltbürger verstehen und die Werte des Humanismus leben. Seine Vision: Europa könnte langfristig zu einem gemeinsamen politischen Raum werden, in dem die heutigen Nationalstaaten von einem europäischen Gesamtstaat abgelöst werden.
Böttcher plädiert dabei für ein „Europa der Regionen“. Zugleich kritisiert er den Kapitalismus, der seiner Meinung nach nicht auf Frieden ausgerichtet sei, sondern die Ausbeutung natürlicher Ressourcen beschleunige und soziale Ungleichheiten verstärke.

Einsatz für die Demokratie

Dr. Jürgen Linden betrachtete die Entwicklung Europas pragmatischer. Derzeit gebe es nur begrenzte politische Kräfte für einen europäischen Bundesstaat. Politische Entwicklungen in Ländern wie Ungarn, der Slowakei und teilweise Polen erschwerten eine weitere Integration. Auch rechtsnationale Strömungen stellten eine Herausforderung für die bestehenden Demokratien dar.
Linden betonte deshalb: Der Einsatz für demokratische Strukturen sei Aufgabe aller Bürgerinnen und Bürger, die diese Werte erhalten wollen.

Blick in die Zukunft

Moderatorin Iris Witt stellte zum Abschluss die Frage, wie Europa wohl in 50 Jahren aussehen werde. Eine klare Antwort darauf konnte niemand geben. Zu groß seien derzeit die politischen Unsicherheiten. Einigkeit bestand jedoch darin, dass wir uns in einer Phase tiefgreifender Veränderungen befinden.

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